Erfolgsgeschichte Selma Begovic

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Juli

Vom Lehrling zur erfolgreichen Lehrmeisterin – Die Erfolgsgeschichte Selma Begovic

Eigentlich wollte Selma Begovic Turnlehrerin werden. Während ihrer Schulzeit in der HAK entschied sie sich aber doch gegen sechs Jahre Theorie, wo der praktische Teil erst viel später kommt. Bei einer Lehre würde sie viel früher das Gelernte auch anwenden können. Außerdem war Selma Begovic immer schon handwerklich begabt und hat früh ihre kreative Ader beim Dekorieren ausgelebt.

Nach einem Schnuppertag bei ihrem damaligen Lehrherren hat sie sich dann endgültig für die Friseurlehre entschieden. Allerdings merkte sie erst nach dem ersten Lehrjahr, dass dieser Beruf wirklich für sie geeignet ist und sie darin auch ihre Zukunft sah. „Man darf da nicht zu früh aufgeben, sondern muss sich das eine Zeit lang anschauen und wirklich fleißig lernen.“ Auch an den Lehrlingswettbewerben hat Selma Begovic fleißig teilgenommen.

Nach der Gesellenprüfung blieb sie noch vier Jahre im Betrieb, bis sie die Salonleitung und im Jahr 2007 mit 23 Jahren schließlich den Betrieb übernahm. Nach mehreren Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen wurde das Team von vier Personen auf mittlerweile zehn aufgestockt: Aktuell beschäftigt sie sechs Friseure, drei Lehrlinge und eine Rezeptionistin in ihrem Salon „Intercoiffeure Unistyle“ in Klagenfurt. Lehrlinge sind ein wichtiger Bestandteil des Teams, jedes Jahr wird ein Lehrling aufgenommen und ausgebildet. In ihrem Salon werden sämtliche Dienstleistungen außer Rasur angeboten. Das zusätzliche Make-up Angebot erforderte eine Visagisten-Ausbildung von einigen Teammitgliedern, die Selma Begovic ihren Mitarbeitern ermöglicht hat.

Für die Aufnahme der Lehrlinge entschied sich Selma Begovic für ein etwas unkonventionelleres System: Mal wird ein Lehrlings-Casting ausgeschrieben, mal werden sie einfach ein bis zwei Tage in den Betriebsablauf eingebunden. Viele der Lehrlinge kommen durch Mundpropaganda zu Selma Begovic. Dennoch ist auch in ihrem Salon die Bewerberanzahl zurückgegangen, von zwei Bewerbern passt meist nur einer gut zum Unternehmen und zum Beruf.

Grund dafür ist laut Selma Begovic die allgemeine demografische Entwicklung. Durch die niedrigere Geburtenrate verteilen sich die wenigen Jugendlichen stärker auf die unterschiedlichen Berufe. Dass der Friseurberuf unattraktiver geworden ist, will Selma Begovic so nicht gelten lassen: „Friseur ist immer noch ein anstrebenswerter Beruf, weil man selbstbestimmt arbeitet und durch reinen Willen alles ausleben kann.

Unterstützung ist dabei natürlich essentiell, sowohl von der Familie als auch im Lehrbetrieb. Bei Selma Begovic können die Lehrlinge jederzeit Modelle einladen, um laufend zu trainieren. Auch Seminare sind ein wichtiger Bestandteil der Lehrausbildung. Dennoch merken manche im Laufe der Lehrzeit, dass der Beruf doch nicht ihre Berufung ist und brechen die Ausbildung ab. „Eigentlich wird die Ausbildung viel zu früh gestartet, es wäre besser, bis 18 in die Schule zu gehen und erst dann eine Entscheidung zu treffen, wenn man sich selbst auch wirklich kennt“, so die 33-jährige Lehrherrin, die von ihren Eltern ebenfalls während der Lehrzeit stark unterstützt wurde.

Wichtig ist für Lehrlinge laut Selma Begovic nicht nur Kreativität, sondern auch Belastbarkeit, Optimismus und handwerkliches Geschick. „Es ist wichtig, sich im ersten Lehrjahr ausgiebig mit Haaren und dem Fachgebiet allgemein auseinander zusetzen, auch wenn der Salonalltag anfangs nicht so deins ist. Halte ein Lehrjahr durch, dann kannst du dir genauer vorstellen, was auf dich zukommt. Die Liebe zum Beruf und die Motivation kommen dann von ganz allein.“

„Friseur sein ist mehr als ein Hobby, das man als Kind beim Puppen frisieren ausgelebt hat. Es ist eine Leidenschaft, sich täglich mit Menschen und seinen Haaren  zu identifizieren.“