Erfolgsgeschichte Silvia Rupp

9

Oktober

Die Lehrlingstrainerin – Die Erfolgsgeschichte Silvia Rupp

Mit 13 Jahren war für bereits Silvia Rupp klar: Sie möchte Friseurin werden. Mit der Unterstützung ihrer Eltern konnte sie schließlich ihren Traum verwirklichen, allerdings war dies schwieriger als gedacht. „Wir wohnten in einem Dorf, das nahezu keine Verbindung nach Melk hatte, mit den Öffis kam man also nicht hin“, so Rupp. Außerdem bildeten im Jahre 1979 weniger Betriebe Lehrlinge aus, bei ihrer Lehrlingsmeisterin bewarben sich mehrere Lehrlinge, bevor Silvia schließlich das Rennen machte. Die Lehre selbst war für Silvia Rupp eine Herausforderung aufgrund der fehlenden Öffi-Verbindung. Ihre Eltern unterstützen sie so viel wie möglich, im Winter allerdings musste Silvia bei einer Tante wohnen, da gar kein Bus fuhr.

Nichtsdestotrotz konnte die heute 53-jährige ihre Lehrzeit genießen: „Als meine Chefin nach eineinhalb Jahren in Pension ging, wurde ich von ihrer Tochter übernommen. Fachlich waren beide sehr gut, von ihnen konnte ich viel lernen.“ Auch nach ihrer Lehrabschlussprüfung blieb sie noch im selben Betrieb, bis sie 1986 die Meisterprüfung absolvierte und im Jahr 1988 ihren ersten Salon eröffnete.

Obwohl die Selbstständigkeit nicht von vorneherein das Ziel war, ist sie mit ihrer Entscheidung heute noch sehr zufrieden. „Das hat sich einfach so ergeben und es lief ja auch super: Wir haben aufgesperrt und die Kunden rannten uns die Tür ein“, lacht Silvia Rupp. In kürzester Zeit konnte sie zwei Gesellinnen anstellen, zu Spitzenzeiten hatte sie 15 Mitarbeiter, momentan sind sie zu siebt im Team. Auch die Lehrlingsausbildung kommt bei Silvia nicht zu kurz: In ihrer Karriere hat sie schon über 30 Lehrlinge ausgebildet, aktuell hat gerade ein neuer Lehrling seine Ausbildung bei ihr begonnen.

Dieser wird nach einem ganz speziellen System ausgebildet: Zuerst ist er für eine Woche in Deutschland und erhält das „Grundrüstzeug“ in einem Basis-Seminar. Danach gibt es eine eigene Ausbildungsmappe mit allen Schritten und Techniken bis zum Lehrabschluss. Beispielsweise Wimpern färben: Zuerst wird das mit den Ausbildern geübt, anschließend muss der Lehrling bis zu 10 Modelle mitbringen und die Technik an ihnen anwenden, abschließend gibt es eine Art Prüfung, wo der Lehrling vor den Ausbildern alleine die Technik anwendet. Wenn dies zufriedenstellend verläuft und er die „Prüfung besteht“, darf der Lehrling die Technik zukünftig auch an Kunden anwenden. Dabei wird alles in der Mappe schriftlich festgehalten, sodass der Lehrling seine Fortschritte auch überprüfen kann. „So können meine Schüler selbstischer sein und wissen, dass sie die Techniken auch wirklich beherrschen.“

Nach 30 weiblichen Lehrlingen, die Silvia Rupp fertig ausgebildet hat, hat mit 01.08. erstmals wieder ein junger Mann bei ihr die Friseurlehre begonnen. Generell sieht sie diesen Unterschied bei den Geschlechtern eher als „Land-Problem“, weil die Branche hier einfach noch einen feminineren Touch hätte. Das Image, das Wochenendarbeiten und die Bezahlung, die mit technischen Berufen nicht mithalten kann, seien für viele junge Männer ein Grund, sich gegen die Friseurlehre zu entscheiden. „Mit Provisionssystem und Trinkgeld kommt man ja trotzdem auf eine gute Bezahlung, wenn man Spaß an der Arbeit hat, das ist bei uns das Wichtigste“, so Silvia Rupp. Abwechslungsreich ist die Arbeit bei Silvia Rupp auf jeden Fall: Neben den klassischen Friseurdienstleistungen bieten ihre beiden Salons auch dekorative Kosmetik sowie Fußpflege & Maniküre an.

Außerdem ist die Teilnahme an den Landeslehrlingswettbewerben für Silvia ein Einstellungskriterium. Als Trainerin für ganz Niederösterreich bereitet sie nicht nur ihre eigenen Lehrlinge darauf vor, sondern auch externe. Jedes Lehrjahr ist vertreten. Für Silvia ist die Teilnahme sehr wichtig, um das Selbstbewusstsein zu stärken und das Erwachsenwerden zu fördern. „Sich mit anderen Leuten zu messen, ist wichtig, da lernt man noch mehr.“ Auch für die Vorbereitung auf die World- und EuroSkills ist sie zuständig.

„Ich arbeite so gerne mit jungen Menschen zusammen, man kann viel weitergeben und lernt selbst vielleicht noch etwas dazu“, erzählt die 53-jährige. Ihre Neugier hat sie bis heute nicht verloren, was auch für zukünftige Lehrlinge ihrer Meinung nach sehr wichtig ist: „Immer wissbegierig bleiben, man kann so viel lernen, wenn man für alles offen ist und sich für viele Sachen interessiert.“ Auch eine gewisse Grund-Freundlichkeit und Freude mit Menschen zu arbeiten ist für diesen Beruf ihrer Meinung nach essentiell.

„Lass dein Ziel nie aus den Augen, dann kannst du alles schaffen.“