Erfolgsgeschichte Sylvia Müller

9

August

33 Jahre Lehrlingsmeisterin – Die Erfolgsgeschichte Sylvia Müller

Schon ihr Großvater und ihre Eltern waren Friseure, da war es zu erwarten, dass sich Sylvia Müller auch für den Friseurberuf interessierte. Obwohl sie eine Zeit lang auch mit dem Lehramtstudium Sport & Mathematik haderte, überzeugten die Eltern die Tochter dann irgendwie doch: Und sie hat es bis heute nicht bereut, auch wenn sie zu Lehrbeginn noch etwas skeptisch war. Nach der ersten Woche war sie aber völlig überzeugt: Der Friseurberuf ist ihre Berufung.

Selbstverständlich wurde ihr der Beruf durch den Salon im Elternhaus noch schmackhafter gemacht: der Arbeitsweg wurde so erheblich verkürzt. „Trotzdem habe ich eine ganz normale Lehre gehabt, mein Vater war mit mir genauso streng wie mit jedem anderen Lehrling“, so die heute 55-jährige. Der Kontakt mit den Menschen und die Wertschätzung, wenn der Kunde zufrieden den Salon verlässt, hat sie schließlich in den Bann gezogen und bis heute nicht losgelassen.

Nach ihrer Lehrzeit war Sylvia Müller auch bei zwei Salons in Graz und Leoben tätig, wo sie ihre Kentnisse weiter ausbaute. Mit 22 Jahren machte sie sich dann mit einem eigenen Salon im Hotel Wende in Neusiedl selbstständig, den Salon ihres Vaters hat ihr Bruder, ebenfalls begeisterter Friseur, übernommen.

In ihrem Salon, der in ein Hotel integriert ist, arbeiten derzeit drei Frauen, die alle ihre Lehrzeit schon beendet haben. Generell sei es schwieriger, Lehrlinge zu bekommen, weil das Image sich verschlechtert habe und die Berufs-Chancen schlechtgeredet würden, so Müller. Ihrer Meinung nach wird die Lehrlingsausbildung zu früh angesetzt, eine schulische Ausbildung bis zum 18. Lebensjahr würde möglicherweise mehr Früchte tragen. Diesen Weg hat auch Sylvias Tochter Marie-Therese Koppitsch eingeschlagen: Sie hat zuerst ihre Matura erfolgreich abgeschlossen und sich dann erst für eine Friseurlehre entschieden, weil sie nach der Matura sich selbst besser kannte als mit 14/15 und nun sicher wusste, was sie wollte.

Und viele der ehemaligen Lehrlinge von Sylvia Müller hatten offenbar in ihrem Salon ebenfalls genau das gefunden, was sie wollten: Zum 30-jährigen Jubiläum des Salons im Jahr 2014 kamen viele ehemalige Lehrlinge, die mittlerweile schon ihre eigenen Salons führen, um ihrer Lehrmeisterin zum Jubiläum zu gratulieren und sich für die Lehrzeit zu bedanken. „Das freut einen natürlich sehr, wenn so viele der Lehrlinge im Beruf geblieben sind und heute noch auf ihre Zeit bei mir zurückblicken“, erklärt die Lehrmeisterin gerührt.

Der Hotel-Salon unterscheidet sich nicht großartig von „normalen“ Friseursalons: „Der einzige Nachteil ist, dass wir unsere Lage etwas versteckt ist und wir deshalb kaum Laufkundschaft haben.“ Nach 33 jährigem Bestehen kennen aber genug Stammkunden Sylvia Müller und ihr Team – und aus diesen besteht der Kundenstamm zu 90 %. Der Rest kommt über den Hotelbetrieb des Seminar-Hotels Wende. In ihrem Salon wird alles angeboten, was das Herz begehrt: Frisur, Welle und Schnitt für Damen, Herren und Kinder.

Um weiterhin Lehrlinge anzuziehen und als Lehrbetrieb attraktiv zu bleiben, versucht Sylvia Müller mit Schnupperwochen und Fortbildungen einen Anreiz zu bieten. Auch ihre Mitarbeiterinnen profitieren vom Ehrgeiz der Burgenländerin immer wieder durch Seminare in Amsterdam und London. „Man braucht schon Stehvermögen und muss kreativ sein, aber dennoch haben wir einen beinharten Job, dessen muss man sich bewusst sein.“ Der beinharte Job ist für Sylvia Müller aber nach wie vor ihr Traumjob, sie geht jeden Tag gerne in den Salon: „Die Lehre und die damit verbundene Selbstständigkeit war für mich die absolut richtige Entscheidung.“

„Einfach ausprobieren und sehen, wie es abläuft, vielleicht wirst du ja vom Beruf überrascht.“