Ein Querdenker mit Blick fürs Wesentliche

30

Juli

Manchmal ist es besser, einen Schritt zurück, statt zwei Schritte nach vor zu gehen, um wieder den Blick fürs Wesentliche zu bekommen. Diesen Rat hat sich auch Jürgen Gartner, Friseurmeister aus Leidenschaft, zu Herzen genommen. Gemeinsam mit seiner Frau Karin führt er das „Le Figaro“ mit Filialen in Petzenkirchen (Melk) und Amstetten. Mit innovativen Aktionen und Angeboten schafft er es immer wieder, Kunden und Mitarbeiter aufs neue für sich zu begeistern.
Mit seinen Aktionen und einem umfassenden Angebot – das vom klassischen Hairstyling bis zur Anfertigung von Perücken für Chemopatienten reicht – hat sich Le Figaro über die Region hinaus einen Namen gemacht. So gibt es am Hauptstandort Petzenkirchen einen U25-Tag, welcher immer montags zwischen 15 und 20 Uhr alle unter 25-Jährigen zu vergünstigten Konditionen zum Friseurbesuch einlädt. Außerdem können die Kunden anstatt in Broschüren oder Büchern auf Apple iPads die aktuellsten Frisurentrends verfolgen. Und den „Kleinen“ werden die Haare auf einer Vespa, die mitten im Geschäft steht, geschnitten. „So brav sind die Kinder sonst nie beim Friseur“, stellt Gartner mit einem Augenzwinkern fest.

MUT ZUR SPONTANITÄT
Dabei war Gartners Weg zum Salonbesitzer nicht unbedingt vorgezeichnet. Als damals einziger Bursch absolvierte er eine Friseurlehre in Melk. Danach war er als Außendienstmitarbeiter in der Kosmetikbranche tätig. Eines Tages – er war gerade zu einem Kunden unterwegs – erfuhr er, dass in seiner Heimatgemeinde ein Friseur gesucht wird. „Ich hab‘ den Kunden stehen lassen, bin sofort zur Bürgermeisterin gefahren und hab gesagt: Hier bin ich“, erinnert sich Gartner an diese sehr spontane Entscheidung zur beruflichen Selbständigkeit. Der Beginn im Jahr 1999 war herausfordernd – untertags machte er den Friseurmeister und nachts wurde das Geschäft für den Betrieb hergerichtet. Mittlerweile hat sich sein Salon am Hauptstandort Petzenkirchen zu einem über das klassische Friseurgeschäft hinausgehenden Salon mit Rund-um-Betreuung und Beratung entwickelt. „Es ist wichtig, sich für die Kunden Zeit zu nehmen und sie nicht ,abzufertigen‘“, schildert Gartner seine Geschäftsphilosophie.

WENIGER IST MEHR
Neben der Entscheidung zur Selbständigkeit war für den Friseurmeister der Entschluss, auf „Qualität statt Quantität“ zu setzen, der wichtigste in seiner beruflichen Laufbahn. So betreibt er heute zwei statt zuvor vier Salons – eben jene in Petzenkirchen und Amstetten. „Am Ende des Tages kann man nur von einem Löffel essen“, ist Gartner mit seiner Entscheidung heute glücklich. So kann er sich jetzt wieder mehr dem Wesentlichen, seinem Beruf als Friseur, widmen. Mit der Anfertigung von Perücken für Chemotherapie-Patienten großer Krankenhäuser und deren Beratung hat er sich auch selbst noch einmal beruflich weiterentwickelt.

MOTIVIERTE UND ZUFRIEDENE MITARBEITER ENTSCHEIDEND
Diese Ereignisse und Erfahrungen im Zuge seiner beruflichen Laufbahn haben bei Gartner die Sinne geschärft. Es mag daher auch nicht verwundern, dass 80 % seiner Lehrlinge als Mitarbeiter – insgesamt beschäftigt er 30 (davon 24 am Hauptstandort) – im Betrieb bleiben. Pro Jahr nimmt er im Le Figaro zwei bis drei Lehrlinge auf – mittlerweile „schupfen“ zwei von ihnen das Friseurgeschäft. Überhaupt sind für den Friseurmeister zufriedene und motivierte Mitarbeiter das Wichtigste: „Man muss in seine Mitarbeiter investieren, um auch etwas zurückzubekommen“, unterstreicht Gartner und ergänzt, dass er mit seinen Mitarbeitern auch gemeinsame Ausflüge macht und jeder von ihnen auch an seinem Geburtstag frei bekommt. Die Entscheidung, den Beruf des Friseurs zu erlernen bzw. sich selbständig zu machen, bereut Gartner keine Sekunde: Seinen angehenden Lehrlingen gibt er auf den beruflichen Lebensweg mit, „ohne Angst, mit viel Freude und Enthusiasmus“, einen Job zu beginnen.

 

Website

Facebook