Erfolgsgeschichte Rafaela Welner

14

September

Die Friseurmeisterin – Die Erfolgsgeschichte Rafaela Welner

Die Wienerin Rafaela Welner hat bei ihrer Berufsausbildung einen kurzen Umweg gemacht. Da sie sich nicht sicher war, was sie werden wollte, hat sie erstmal die Doppel-Matura gemacht und später im Betrieb ihrer Eltern mitgeholfen. „Während der Schulzeit hatte ich keine Zeit, überhaupt mitzuhelfen und dann hab ich gemerkt, dass es das ist, was ich machen möchte“, so die heute 40-jährige.

Wie ihren Eltern und Großeltern entschied sich also auch Rafaela, die Friseurslaufbahn einzuschlagen. Druck sei von ihren Eltern nie gekommen: „Sie haben sich dann schon gefreut, aber es war nicht so, dass ich das machen musste.“ Durch ihre voran gegangene Schulbildung konnte die Lehre dann auch um ein halbes Jahr verkürzt werden, das erste halbe Jahr absolvierte sie eine Grundausbildung in Deutschland und den Rest lernte sie bei ihren Eltern im Betrieb.

Die Grundausbildung im Ausland war eine Herausforderung für Rafaela, immerhin war sie nach ihrer Matura die älteste und gleichzeitig die unerfahrenste Teilnehmerin. Dennoch konnte sie schnell aufholen und wusste nach dem ersten halben Jahr: Dieser Beruf wird ihre Leidenschaft.

Nur sechs Monate nach Lehrbeginn startete das Training für die Meisterschaften. Ihr Vater, 8-maliger Weltmeister, trainierte mit Rafaela neben ihrem normalen Job im Salon an den Wochenenden für sämtliche Landes-, Staats- und Europameisterschaften. Nach ihrem Sieg beim Jugendwettbewerb in der Grundausbildung konnte sie schließlich mehrere Titel nach Hause holen, darunter Europameisterin, Staatsmeisterin, Landesmeisterin, siebenfache Grand Prix Siegerin und viele mehr.

Nach ihrer Meisterprüfung übernahm sie den Salon ihrer Eltern und tauschte die Wettbewerbe gegen Bühnenshows auf der ganzen Welt ein. Sie präsentierte ihr Können überall in Europa sowie in Rio, Buenos Aires, Südafrika und Moskau. Mittlerweile arbeitet sie nur noch in ihrem Salon, weil ihr der direkte Kontakt und die Arbeit am Kunden doch sehr gefehlt hat.

In ihrem Salon, der sowohl einen Damen- als auch einen Herrensalon unter einem Dach beherbergt, arbeiten derzeit 20 Mitarbeiter. Jährlich bildet Rafaela auch Lehrlinge aus, meist nimmt sie pro Jahr zwei bis vier auf. Auch heuer haben wieder zwei Mädels und zwei Jungs ihre Lehre bei der Wienerin begonnen. „Es gibt viele Anwärter, wir brauchen aber jemanden, der Erfüllung in diesem Beruf findet und Talent hat, da muss man schon mal aussortieren.“

Mittlerweile würde die Anzahl der Bewerber aber wieder steigen: „Die jungen Leute erkennen wieder, dass dieser Beruf einfach Zukunft hat.“ In ihrem Salon lernen die Lehrlinge auch alles, was ein Friseur können muss: Im Damen- und Herrensalon ohne Terminvereinbarung wird alles quer durch die Bank angeboten und manchmal muss es auch mal schnell gehen. „Bei uns kommen Damen und sagen, sie heiraten in drei Stunden, dann verwandelt mein Team sie in dieser Zeit in einen anderen Menschen.“

„Wenn man mit so vielen unterschiedlichen Menschen arbeitet, von jung bis alt, und ihnen durch die Frisur etwas mitgibt, erhält man auch so viel zurück.“