Haare schneiden auf Britisch

7

Januar

Martin Tauber ist ein Friseur, der auch gerne einmal unter fremden Sternen zur Schere greift. Nach neun Monaten in Großbritannien und einem Monat in Japan führte ihn seine berufliche Reise wieder zurück nach Österreich. „Daheim ist schließlich daheim,“ betont der Friseur. Ablegen konnte er seine Leidenschaft für das Vereinigte Königreich aber nie. Von der Art, Haare zu schneiden, über die Kleidung und den Salon bis hin zur Auswahl der Urlaubsdestination steht alles unter britischem Einfluss. 1997 mit dem Salon „Head’s“ in Innsbruck selbstständig gemacht, lässt er seit über 20 Jahren auch seine Kunden Luft aus Großbritannien schnuppern. Sein Erfolgsgeheimnis? Haarschnitte nach britischem Vorbild, ein authentisches Auftreten, ein Salon, der einem Museum gleicht, und eine Frau als starke Partnerin an seiner Seite.

Von den Briten lernen
Was können österreichische Friseure von britischen lernen? Martin Tauber weiß: „So einiges! Für mich zählen die Briten mit zu den besten Haarschneidern.“ Wieso er sich da so sicher ist? Noch nie etwas von Vidal Sassoon gehört? Er gilt als der Haarschnitt-Avantgardist seiner Generation. Kein Wunder also, dass in der Friseurszene von zwei Epochen gesprochen wird: die Jahre vor und die Zeit mit und nach Vidal Sassoon. Als Revolutionär der Haarmode war er es, der den Bob erfand, und damit die Friseurindustrie in den 1960er Jahren auf den Kopf stellte. Warum? „Er war davon überzeugt, dass es zwölf Grundhaarschnitte gibt. Beherrscht man diese, kann man Haare schneiden,“ erklärt Martin Tauber. „Egal, ob es ein Pagenkopf oder ein Stufenschnitt werden soll, wer die simplen Haarschnitte blind versteht, zaubert jede Frisur.“ Aber nicht nur frisurentechnisch kommt Martin Taubers Leidenschaft für Großbritannien zum Vorschein.

Britischer Humor?
Wer glaubt, dass es nur Managern vorbehalten ist, Anzüge während der Arbeit zu tragen, der irrt gewaltig. Martin Tauber ist der lebende Beweis dafür, dass ein mondäner Kleidungsstil auch Friseuren steht. Mit Sakko, Gilet und Krawatte fühlt sich der gebürtige Innsbrucker so richtig wohl. Woher der Wind weht? Ganz klar aus Großbritannien. „In Österreich wirkt es auf den ersten Blick vielleicht befremdlich, einen Friseur im Anzug vorzufinden. In Großbritannien ist es sogar üblich“, verrät der Tiroler. Martin Tauber muss es wissen, war er doch insgesamt neun Monate als Friseur im Vereinigten Königreich tätig. „Es war gar nicht so leicht, einen Job in Großbritannien zu bekommen, schließlich war Österreich damals noch kein EU-Mitgliedsstaat. Also habe ich meine Koffer gepackt, bin nach Großbritannien gedüst und habe vor Ort nach einer freien Stelle als Friseur gesucht und diese auch rasch gefunden.“ Die Nachwirkungen seines Aufenthalts sind heute noch zu spüren. „Ich will mich ganz bewusst von der Masse abheben – optisch wie persönlich. Schließlich will ich das, was ich verkörpere, nach außen tragen. Zu dieser Jahreszeit könnte ich aber locker auch als Nikolaus auftreten“, lacht der 52-Jährige. Warum? Das Verrät ein Blick in sein Gesicht. Sein langer, weißer Bart gehört für ihn zum perfekten Styling dazu.

„Meine Bühne ist mein Geschäft“
Die Nachwirkungen seines Aufenthalts im Vereinigten Königreich sind nicht nur an seinem Kleidungsstil erkennbar. Auch im Salon selbst atmen Martin Tauber und seine Kunden britische Luft. „Mit meinem Kleidungsstil passe ich haargenau ins Geschäft,“ schmunzelt der Friseur. Seinen Wunsch, sich von der Masse abzuheben, zieht der Tiroler auch im Salon durch. „Vor drei Jahren habe ich begonnen, umzubauen. Ich wollte aber keiner Firma den Auftrag geben, den Salon neu einzurichten,“ erzählt der 52-Jährige. Mit viel Liebe zum Detail trägt er seitdem alte Möbel, Bilder und Dekorationsartikel zusammen, um seinem Salon einen einzigartigen Look zu verleihen. „Ich wollte keinen geradlinigen, nüchternen, kühl wirkenden Salon. Bei mir sollen sich die Kunden wie zu Hause in ihren Wohnzimmern fühlen,“ betont Martin Tauber. Besonders stolz ist der Großbritannien-Liebhaber auf seinen Herrenbereich. Highlight dort: Ein PEZ- und ein Bazooka-Automat. „Bei mir gleicht kein Spiegel dem anderen. Unser Schreibtisch ist ein alter Biedermeier, unser Staubsauger aus dem Jahre 1952. Und: Er funktioniert,“ lacht der Friseur und vergleicht seinen Salon mit einem Museum. Wie passend also, dass er diesen in der Museumsstraße eröffnet hat.

Herzklopfen am Arbeitsplatz
Immer an Martin Taubers Seite: Elisabeth, seine Frau. Vor 27 Jahren kennengelernt, haben sich die beiden gesucht und gefunden. Der Tiroler wurde beauftragt, Modelle für seine heutige Frau zu besorgen, die damals noch als Fachtrainerin in der Friseurbranche tätig war. „Es mag vielleicht kitschig klingen, aber bei uns war es tatsächlich Liebe auf den ersten Blick,“ schwärmt der Friseur. Heute verbindet die beiden nicht nur ihre Leidenschaft für Haare, sondern auch ihre Liebe zueinander und ihre gemeinsame Passion für Großbritannien. Einmal im Jahr zieht es das Friseurpärchen ins Vereinigte Königreich. „Im Oktober findet eine große Friseurmesse statt, die wir gerne besuchen. Aber auch privat bereisen wir gerne unser zweites Zuhause. Aktuell haben wir Schottland für uns entdeckt,“ erzählt der 52-Jährige. Wie oft Martin Tauber und seine Frau das Land bereits besucht haben, kann er auf zwei Händen nicht mehr abzählen. Genug bekommt er trotzdem nicht von den Briten. Wohin der nächste Urlaub der beiden also geht, dürfte klar sein, oder?

Facebook